barbara eder, geboren 1981 in wien. autorin, essayistin, übersetzerin absolvierte ein studium der soziologie und der philosophie in kombination mit filmwissenschaft und gender studies in wien, berlin und frankfurt/main. lektorin an universitäten in wien, linz, klagenfurt, düsseldorf, oldenburg, debrecen (ungarn) und jerewan (armenien). sie schreibt für zeitungen, zeitschriften und sachbücher und programmiert im open-source-bereich. ihr erzählband „die morsezeichen der zikaden“ erscheint im märz 2016 im drava-verlag und ist ihr literarisches debüt. die erzählung „drüben“ aus diesem band wurde im november 2015 mit dem exil-literaturpreis ausgezeichnet.

unterwegs an den verletzbaren rändern europas, quer durch vier länder hindurch – es sind die umkämpften gebiete entlang einer imaginären grenze, die in „die morsezeichen der zikaden“ zu schauplätzen einer anderen evidenz werden. neben armenien, georgien und der ukraine gehört auch ein dorf an der ungarisch-rumänischen grenze zu dem umkreisten territorium der teilungen und trennungen. in acht erzählungen schreibt barbara eder über das leben, sterben, arbeiten und auswandern aus den verwundeten zonen zwischen asien und europa, seinem westen und seinem osten. die protagonistinnen und protagonisten der geschichten morsen von kriegsschauplätzen aus, wühlen in familiären phantasmen, durchleben den irrsinn nicht enden wollender odysseen, kämpfen mit den betriebsanleitungen von dysfunktionalen vehikeln gleichermaßen wie mit den stigmata ihrer herkunft, werfen ihre existenzen weg, finden sich anderswo wieder und machen weiter.

samuel mago, geboren 1996 in budapest, aufgewachsen in wien, maturierte 2014 mit auszeichnung und erhielt den fred schneider award für die beste fachbereichsarbeit des jahrgangs über die präsenz und darstellung von roma in medien. er studiert derzeit soziologie und transkulturelle kommunikation an der universität wien, besucht europaweit konferenzen und setzt sich als roma-aktivist gegen antiziganismus und für die rechte der volksgruppe ein. er arbeitet als antiziganismustrainer und schreibt für das jüdische magazin nu. 2014 war er sieger des redewettbewerbs sag’s multi mit einer rede über roma, antiziganismus und toleranz.

in seiner erzählung „zeuge der freiheit“, für die samuel mago 2015 den exil-jugend-literaturpreis erhielt, erzählt er die geschichte einer roma-familie, die in den 60er jahren aus dem (bürger)kriegsgeschüttelten budapest flieht. mehrere perspektiven und schicksale der familienmitglieder werden verflochten, mago begleitet seine protagonisten auf ihrer reise vom entschluss zur flucht bis über die grenze. souverän meistert er das thema und schafft es, pathos und kitsch zu vermeiden. ein vielversprechender literarischer anfang.
(didi drobna – juryspruch zu „zeuge der freiheit“)